Der Fischertag in Memmingen
 Einleitung
 Die traurigen Tatsachen
 Frühere Bemühungen
 Unsere Bemühungen vor dem Fischertag 2007
 Bestandsaufnahme
 Oh, Heiliger Wendelin!
 Die rechtliche Lage
 Das Gutachten des Professors
 Das Gutachten des Richters
 Fischertag 2009 - und was kommt 2009?
 Was können Sie tun?
 aus der Entfernung
 vor Ort
 Impressum

  Die traurigen Tatsachen

„Schmotz, Schmotz, Dreck auf Dreck,
Schellakönig wüaschte Sau!!!“

Verzweiflungsschreie eines austherapierten Patienten einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung? Mitnichten! Das ist der sehr intellektuelle Text des Fischertagsliedes und als „Memminger Nationalhymne“ Teil von Tradition und Kultur (!) der schwäbischen Kleinstadt Memmingen. Dieses Geschrei intonieren am Fischertag rd. 40.000 Einwohner und Besucher der Stadt und amüsieren sich ganz köstlich beim blutigen Gemetzel tausender Bach- und Regenbogenforellen. Die armen Fischlein hat man extra für dieses Spektakel 10 Monate vorher in den ca. 2 km durch die Stadt geführten betonierten Bachlauf der Memminger Aach eingesetzt und Wochen vor dem „Fest“ nochmals durch Nachbesatz aufgestockt, „damit die Fischer was zu fischen haben“ wie die örtliche Presse so brav berichtet.

Hochintelligenter Gesichtsausdruck eines Memminger Fischers
auf dem Höhepunkt der Befriedigung seiner Leidenschaft
(Brunnenfigur Schrannenplatz Memmingen)

Und so läuft`s ab:

Pünktlich mit einem Böllerschuß um 08.00 Uhr springen rund 1.200 „urige Mannsbilder“ (Frauen dürfen nicht in den Bach – als Zeichen ihrer Emanzipation dürfen sie aber die vollen Eimer ihrer Partner tragen) meist nach einer durchzechten Nacht mit deutlichem Restalkohol in das bis dato noch klare Bachwasser, das sich sofort in eine üble schlammige Brühe verwandelt. Die völlig verstörten Forellen, die sich vor den die Bachränder säumenden Menschenmassen unter den Brücken zu verstecken suchen, werden mit Käschern aus dem Schlammwasser gefischt und in Eimer verfrachtet. Dort verbleiben sie bis zum Ende des Memminger „Kulturevents“, was durchaus eine Stunde und länger dauern kann. Wer ein besonders großes Exemplar gefangen hat, bringt dieses – mit oder auch mal ganz ohne Wasser - zu einer der zwei Wiegestellen in der Innenstadt, was je nach Einsatzort schon mal einen Fußmarsch von einigen hundert Metern durch eine Menschenmenge voraussetzt. Fischerkönig wird, wer den größten Fisch aus dem Trüben fischt. Gratulation!

Nach Beendigung der Schlammschlacht schleppt jeder seine Beute in seinem Eimerchen mehr tot als lebend nach Hause. Meist fahren die Muttis die nassen Vatis samt Fang - im manchmal sogar offenen Kofferraum ihres Pkws - heim und die Memminger Polizei schaut treuherzig zu. Während der Vati dann seinen Festrausch im Bierzelt erneuert, bemühen sich die ungeübten Angehörigen darum, den halbtoten Fischen daheim den Garaus zu machen.